Der Filminspektor präsentiert: Die Goldene Lupe 2015





Endlich ist es wieder so weit: Wie in jedem Jahr dürfen auch dieses Mal pünktlich zum Jahreswechsel wieder zehn qualitativ hochwertige Filme des vergangenen Jahres auf den wichtigsten Filmpreis der Welt hoffen: Die Goldene Lupe, verliehen von niemand Geringerem, als dem Filminspektor höchstpersönlich. Dieser richtet sich dabei nach deutschem Veröffentlichungsdatum, also Filme, die im Jahr 2015 in Deutschland entweder ins Kino kamen oder direkt ins Heimkinosegment wanderten.


Welche zehn Filme konnten den Inspektor im Jahr 2015 überzeugen und welches dieser auserkorenen Werke kann sich die begehrte Trophäe am Ende sichern? Es folgen feierlich...





















IT FOLLOWS 
(Regie: David Robert Mitchell)

Stimmungsvolle Cinematographie, mysteriös-melancholische Synthiemusik und ein originelles Grundkonzept machten IT FOLLOWS von David Robert Mitchell in diesem Jahr zum kleinen Kritikerliebling und dem Beweis, dass das inzwischen deutlich angestaubte Genre des Horrorfilms tatsächlich gelegentlich noch zu überraschen und subtil zu gruseln vermag. Zwar folgte Mitchell den eigens aufgestellten Regeln seines Films leider nicht in letzter Konsequenz bis zum bitteren Ende, doch leichten Schwächen in der zweiten Hälfte zum Trotz ist IT FOLLOWS ein Film, den jeder Horrorconnaiseur mit gutem Geschmack gesehen haben sollte.





STEVE JOBS
(Regie: Danny Boyle)

"Drehbuch: Aaron Sorkin" - drei Worte, die heutzutage quasi als Garant für einen guten Film stehen, ließen auch den Filminspektor mit gigantisch hohen Erwartungen und großer Vorfreude im Kino Platz nehmen und hinterher mit einem breiten Grinsen dieses wieder verlassen. STEVE JOBS ist als spirituelles Begleitstück zu David Finchers brillantem THE SOCIAL NETWORK ("Drehbuch: Aaron Sorkin!") wieder ein nach bester Boyle-Art stilistisch grandioser Film mit fantastisch aufspielenden Darstellern, insbesondere Michael Fassbender und Kate Winslet, sowie messerscharfen Dialogen, die einmal mehr Sorkins Thron auf dem Olymp der Hollywoodautoren untermauern.





WHIPLASH 
(Regie: Damien Chazelle)

Schweiß, Blut und Tränen zieren das Schlagzeug des von Miles Teller porträtierten, hochambitionierten Trommelenthusiasten, der in WHIPLASH über gut 90 Minuten hinweg vom zurecht Oscarprämierten J.K. Simmons als diabolischer Musiklehrer terrorisiert wird. Als Film mit vermeintlich oberflächlicher Prämisse und erstaunlich tief gehenden Thematiken entpuppte sich WHIPLASH als überragendes Musikdrama, das nicht nur jazzbegeisterten Zuschauern schweißnasse Handflächen bescherte.





MAD MAX: FURY ROAD 
(Regie: George Miller)

Der vielleicht größte Überraschungserfolg gelang in diesem Jahr möglicherweise Regisseur und Drehbuchautor George Miller. Nicht nur brachte der inzwischen 70-Jährige MAD-MAX-Schöpfer nach gut 30 Jahren ein gutes Sequel seiner 80er-Jahre-Actionsaga in die Moderne. Nein, ihm gelang sogar ein SEHR gutes Sequel (bzw. Reboot) und der wohl beste Actionfilm der letzten Jahre. Mit einer furiosen Mischung aus praktischen Effekten der alten Schule und den technischen Standards von heute peitschte der Australier seine Hauptdarsteller Tom Hardy und Charlize Theron verfolgt von wahnwitzigen Autokreationen und dezent verrückten Horden der Postapokalypse durch eine farblich übersaturierte Einöde, die als pures Wahnsinnsporträt mehr kreative Einfälle aufzuweisen hat, als die meisten Endzeitfilme zusammengenommen.





INSIDE OUT 
(Regie: Pete Docter, Ronnie Del Carmen)

Die Pixar-Animationsstudios sind dafür bekannt, kreative und emotional dichte Stoffe in ihren Filmen so aufzubereiten, dass sie sowohl Kindern, als auch ihren erwachsenen Begleitern etwas zu bieten haben. Mit INSIDE OUT trieben Pete Docter und Ronnie Del Carmen nicht nur dieses Konzept zur Perfektion, sondern warteten auch mit einer selbst für Pixar-Verhältnisse toll durchdachten Geschichte auf. Nie lagen in diesem Jahr sowohl tränenreiche Komik als auch Rührung beieinander als in INSIDE OUT, einem der zugleich schönsten, bedrückendsten und witzigsten Animationsfilme, die der Filminspektor jemals gesehen hat.





STAR WARS: EPISODE VII - THE FORCE AWAKENS 
(Regie: J.J. Abrams)

Kein Film hatte es schwieriger in diesem Jahr, kein Film bekam es mit so hohen Erwartungen zu tun, wie der inzwischen siebte Teil der STAR-WARS-Saga, THE FORCE AWAKENS, von J.J. Abrams. Aus reinem Selbstschutz schaffte es der Filminspektor zum Glück, seine ganz persönlichen Hoffnungen auf eine erfolgreiche Wiederbelebung des Sci-Fi-Märchens im Zaum zu halten, und das war auch gut so. Als Fortführung seiner liebsten Filmtrilogie macht THE FORCE AWAKENS sicherlich nicht alles richtig, als Blockbuster aber bei Weitem genug, um mit tollen neuen Charakteren, größenteils perfekt besetzten Darstellern und einer gehörigen Menge Charme und Humor zu den spaßigsten Abenteuerfilmen in diesem Jahr zu zählen.





YOUTH
(Regie: Paolo Sorrentino)

Wow, wow und nochmals wow. Paolo Sorrentino wusste schon im Jahr 2013 mit dem überbordenden Oberschichtenporträt LA GRANDE BELLEZZA die schönsten Bilder, Einstellungen, Momente und Stimmungen vor dem Hintergrund der römischen Bohéme zu finden, und auch in YOUTH ist die Handschrift des italienischen Regisseurs unverkennbar. Die Schauspieler, u.a. Harvey Keitel, Michael Caine, Paul Dano u. Rachel Weisz, spielen fantastisch und wieder schafft Sorrentino in knapp 2 Stunden Lauflänge quasi eine Aneinanderreihung skurriler, amüsanter und nicht selten zutiefst rührender Porträts, und festigt seinen Stand als einer der aufregendsten Filmemacher der heutigen Zeit.





BIRDMAN OR (THE UNEXPECTED VIRTUE OF IGNORANCE) 
(Regie: Alejandro González Iñárritu)

Einer der aufregendsten Filmemacher ist auch Alejandro González Iñárritu, der mit seiner Showbizsatire, dem ungemein sperrig betitelten BIRDMAN OR (THE UNEXPECTED VIRTUE OF IGNORANCE), zu Beginn des Jahres ein äußerst ungewöhnliches Sujet auf die Leinwand zauberte. Neben der gelungenen One-Take-Illusion und generell tollen Kamera von Emmanuel Lubezki zogen ein unerwartet starkes Schauspiel-Comeback von Michael Keaton und die lange überfällige Kritik am herzlosen Superheldenkino den Filminspektor in ihren Bann. BIRDMAN ist exzentrisch, unterhaltsam und tiefgründig - BIRDMAN ist modernes Kino in Perfektion.






A GIRL WALKS HOME ALONE AT NIGHT 
(Regie: Ana Lily Amirpour)

Ein iranischer Vampirfilm mit Horror-, Film-Noir- und Westerneinflüssen, untermalt durch einen elektrisierenden Elektro-Pop-Rock-Soundtrack!? Dass das ungemein gut funktionieren kann, zeigte uns die iranische Drehbuchautorin und Regisseurin Ana Lily Amirpour mit ihrem ersten Langfilm A GIRL WALKS HOME ALONE AT NIGHT. In seiner beklemmenden, fast depressiven und dennoch charmanten Stimmung ist der Kunstfilm ein absolutes Unikat nicht nur im vergangenen Filmjahr, und sichert sich mit Leichtigkeit einen Platz unter den besten zehn Filmen aus 2015. Bravo!





THE BABADOOK 
(Regie: Jennifer Kent)

Die zweite Horrorperle des Jahres 2015 heißt THE BABADOOK und kam wie aus dem Nichts aus der Feder und den fähigen Händen der Schauspielerin/Regisseurin Jennifer Kent. Was für ein Regiedebüt! Mit einer höchst angenehmen Rückbesinnung auf handgemachtere Effekte und subtilen Horror weit abseits des heute üblichen Jump-Scare-Kinos schickte uns die Australierin auf einen großartigen Horrortrip mit intelligenter Metaebene. Man muss sie wahrlich mit der Lupe suchen, diese Horrorglanzstücke, aber es gibt sie tatsächlich noch!










BIRDMAN OR (THE UNEXPECTED VIRTUE OF IGNORANCE) 
(Regie: Alejandro González Iñárritu)

Es war wahrlich ein Kopf an Kopf Rennen - insbesondere STEVE JOBS und YOUTH hätten den ersten Platz im Grunde ebenso verdient - doch am Ende des Tages (Jahres) gab es keinen Film, der den Inspektor so begeistert hat, wie BIRDMAN das zu Beginn des Jahres 2015 tat. Thematisch, technisch, stilistisch und darstellerisch traf der Film schlicht und ergreifend einen Nerv beim Inspektor, und auch nach mehrfacher Sichtung ist die Faszination kaum abgeklungen. BIRDMAN ist ein kreativer Triumph, eine stilistische Offenbarung, eine psychiologische Reise in den Wahnsinn der da heißt Showbusiness.

Der Filminspektor gratuliert BIRDMAN zur Goldenen Lupe 2015!




Und da es leider nicht alle guten Filme in die Top 10 des Jahres schaffen konnten, kommen hier noch einige ehrenwerte Erwähnungen:

INHERENT VICE (Regie: Paul Thomas Anderson)

BRIDGE OF SPIES (Regie: Steven Spielberg)

BIG HERO 6 (Regie: Don Hall, Chris Williams)




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